Aus der Sitzung des Gemeinderates vom 18.11.2010

Kritische Gutachter: Scheitert Geothermieprojekt am Kühlwasser?


Insgesamt 5 Sachverständige und einen Fachanwalt hörte der Gemeinderat über 2 ½ Stunden lang vor zahlreichen Besuchern zum geplanten Geothermieprojekt im Gewerbegebiet Nord (hinter Webasto). Dabei zeigte sich, dass Gemeinderat und Bürgermeister gut daran getan haben, die von der Firma Geoenergie vorgelegten Gutachten von eigenen Sachverständigen (deren Kosten von Geoenergie erstattet werden) überprüfen zu lassen. Insbesondere der große Kühlwasserbedarf stieß auf erhebliche Bedenken. Aber auch das Lärmschutzkonzept der Firma bedarf danach einiger Nachbesserungen. Ingenieur Kapp von der Fa. Geoenergie musste sich einige kritische Fragen gefallen lassen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, das Geothermiekraftwerk jetzt noch nicht zuzulassen, also keinen Aufstellungsbeschluss für einen diesbezüglichen Bebauungsplan zu fassen, und dem Betreiber weitere Auflagen zu machen. Ob es überhaupt zu einem solchen Kraftwerk an dieser Stelle kommt, ist offen.

Schwaden von Wasserdampf nur in geringem Ausmaß zu erwarten

Zunächst referierte Herr Dr. Ing. Henry über die zu erwartende Schwadenbildung über dem wassergekühlten Kraftwerk. Danach wird die Wasserdampffahne angesichts der in Utting vorherrschenden Windrichtung (Westnordwest) und Wetterbedingungen über Wohngebieten nur in weniger als 2 % der Tagesstunden sichtbar sein. Selbst in unmittelbarer Nähe der 5 geplanten Kühltürme wird nur in 8 – 15% der Tagesstunden Wasserdampf sichtbar sein.

Lärmbelastung muss weiter reduziert werden

Sodann erläuterten die Sachverständigen Herren Goldemund und Strobl, dass bei dem von der Firma Geoenergie verfolgten Lärmkonzept die Grenzwerte in den anliegenden Wohngebieten zwar nicht überschritten werden; allerdings wäre im geplanten Gewerbegebiet Moosgraben überhaupt keine Geräuschentwicklung mehr zulässig. Die diesbezüglichen „Lärmkontingente“ wären nämlich – folgte man dem Ansinnen der Firma Geoenergie – völlig aufgebraucht. Da die Einrichtung eines Gewerbegebietes mit der Auflage „Nullemmission“ unmöglich ist, wäre damit der von uns verfolgte Plan vereitelt, dem Uttinger Gewerbe die sehnlichst erwarteten Flächen am Moosgraben zur Verfügung zu stellen. Die Sachverständigen erläuterten, dass das Problem mit enger gefassten Auflagen ggü der Fa. Geoenergie aus ihrer Sicht lösbar erscheint. Allerdings ist mit höheren Investitionskosten zu rechnen.

Kühlwasserbedarf bisher nicht gedeckt, warmes Abwasser ungeklärt

Besonders kritisch erschien den Sachverständigen Frau Krause und Herr Schneider der Fa. Geocrystal aus Utting der Kühlwasserbedarf des Kraftwerkes: 860.000 m³ (entsprechend ca. 28 Liter pro Sekunde) Wasser werden jährlich gebraucht. Das entspricht dem 2 ½-fachen des Wasserbedarfs von ganz Utting. Die Firma beabsichtigt, einen bis zu 50m tiefen Brunnen am Fahrmannsbach in Ammerseenähe (an der Grenze zu Schondorf) zu bohren. Sie hofft, hier genug „Uferfiltrat“ (d.h. aus dem Ammersee sickerndes Wasser) und Grundwasser fördern zu können. Sollte dies nicht klappen, will man zusätzlich in Schondorf (am Sportplatz) bohren. Ca. 10 Liter Abwasser pro Sekunde werden mit erhöhtem Mineralgehalt und erwärmt auf 20°C zurückfließen – wohin genau und mit welchen Auswirkungen auf Flora und Fauna ist ungeklärt.
Die Sachverständigen äußerten keine Bedenken, dass die geplante Grundwasserentnahme Auswirkungen auf die Geländeoberfläche haben könnte. Das oberflächennahe Grundwasser (sog. „quartäres Grundwasser“) sei mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht berührt. Auch der sog. „Absenktrichter“ im angezapften Grundwasserstock, also der Bereich, in dem der Grundwasserstand von dem Brunnen beeinflusst wird, beeinträchtige voraussichtlich keine anderen Grundwassernutzer (insbesondere die Fa. Noll – Keltenbrunnen). Allerdings sei die Datenlage sehr dünn, genauere Erkenntnisse seien nur durch Probebohrungen zu gewinnen.
Die Sachverständigen – beide aus Utting – hielten aber die Hoffnungen der Fa. Geoenergie, solche Mengen an Grundwasser fördern zu können, angesichts der hiesigen Bodenbedingungen für unwahrscheinlich. Sie empfahlen, sowohl hinsichtlich des geplanten Brunnens als auch an der geplanten Rückleitungsstelle (Moosgraben / Fahrmannsbach) die Geologie genauer zu untersuchen, insbesondere Probebohrungen vorzunehmen.

Rechtsanwalt bestätigt gemeindliches Vorgehen

Schließlich bestätigte Rechtsanwalt Dr. Spieß, dass die Gemeinde vor einem Aufstellungsbeschluss für einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ gut daran tue, alle kritischen Fragen, insbesondere den Wasser- und Abwasserbedarf, zu klären. Es sei rechtlich auch ohne weiteres möglich, dem geplanten Kraftwerk ein geringeres „Lärmkontingent“ zuzuweisen als von der Firma erwartet.

„Plan B“ der Fa. Geoenergie: Ausweichen zum Reichhof

Auf Nachfrage von Peter Noll (GAL) betonte Herr Ing. Kapp von der Fa. Geoenergie, dass ein Verzicht auf die Wasserkühlung am geplanten Standort hinter Webasto nicht in Betracht komme. Eine luftgekühlte Anlage benötige erheblich mehr Platz. Dieser sei allerdings (z.B.) an der geplanten Bohrstelle (neben der Kreisstraße) vorhanden. Die Fernwärmeversorgung von Utting sei ebenso von dort aus möglich.

Gemeinderat einstimmig

Die Firma Geoenergie wurde vom Gemeinderat einstimmig aufgefordert, ihr Kraftwerk mit geringeren (genauer spezifizierten) Lärmemissionen zu planen und nachzuweisen, dass das benötigte Grundwasser vorhanden ist und schadlos entnommen werden kann.

Kommentar:
Bürgermeister Josef Lutzenberger wies in der Sitzung sehr zu Recht darauf hin, dass ein solches Großprojekt nur mit und niemals gegen die Uttinger Bürger entschieden werden kann. Das Geothermiekraftwerk wird daher nur kommen, wenn alle Bedenken, Zweifel und Ängste ausgeräumt werden. Dass dies gelingen wird, erscheint mir insbesondere angesichts der oben dargestellten Wasserproblematik (das 2 ½-fache des Uttinger Bedarfs!) zunehmend zweifelhaft. Bei aller Begeisterung für eine CO²-neutrale Energiequelle und die erhoffte Fernwärme haben wir gut daran getan, die Planungen kritisch zu begleiten und keine voreiligen Entscheidungen zu treffen. Kann sein, dass wir uns bald die Frage stellen müssen, ob „Plan B“ der Firma eine Alternative darstellt: Umzug zur Bohrstelle beim Reichhof (neben die Kreisstraße Richtung Landsberg)! Die Vorteile lägen auf der Hand: Kein Grundwasserbedarf zur Kühlung, dort sind ausreichend Flächen für die Trockenkühlung vorhanden, nur wenige (selbstverständlich ebenfalls zu schützende!) Nachbarn, Fernwärme bekämen wir auch von dort.
Aber wollen wir ein industrielles Projekt mitten in unserer Flur?
Mobilfunk auf dem Tengelmann rüstet auf

Auf großes Publikumsinteresse stieß auch die Mitteilung der von E-Plus beauftragten Firma „Alcatel-Lucent“, wonach man den Sendemast in der Dießener Str. 29 (Tengelmann) mit der UMTS-Technik aufrüsten werde. Dies war auch Gegenstand der Bürgerfragestunde.
Bürgermeister Lutzenberger teilte hierzu mit, dass man der Firma den von uns geplanten und mit dem Freistaat vertraglich vereinbarten Standort an der Auray-Str. neben dem Sportgelände mitgeteilt habe. Da noch nicht bekannt sei, wann der neue Mast errichtet werde, habe die Gemeinde aber derzeit keine Handhabe, die UMTS-Aufrüstung zu verhindern. Auf Nachfrage von Sabine Kaiser (GAL) verwies er außerdem auf unseren Vertrag mit dem Freistaat, wonach uns die Hälfte etwaiger Einnahmen aus der Vermietung des Mastens zustünden. Auf diese könnte man – um einen „Anreiz“ zum Umzug zu schaffen – ggf verzichten.
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Firma nochmals schriftlich auf den neuen Standort hinzuweisen.

Telos-Kinderhaus darf von Uttinger Vereinen genutzt werden

Einigkeit bestand am Ratstisch darüber, dass das von der Gemeinde errichtete Kinderhaus auch von Uttinger Vereinen genutzt werden darf, wobei eine gewerbliche Nutzung verboten bleibt. Tobias Gratzl (SPD) scheiterte mit seinem Antrag (nur) private Feste auszuschließen (6 gegen 10 Stimmen), weshalb jegliche Party dort unterbleiben wird. Als Nutzungsgebühr werden 12,- € pro Stunde, maximal 48,- € pro Tag fällig.

Sicherheit im und am Feuerwehrhaus muss verbessert werden

Eine Gefährdungsbeurteilung unseres Feuerwehrhauses im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes erbrachte einige Mängel. Etliche von ihnen wurden von der Feuerwehr bereits behoben (Auslage von Unfallverhütungsvorschriften, Bestellung von Sicherheitsbeauftragten), andere erfordern Umbaumaßnahmen im und beim Haus. So wird eine Absaugeinrichtung für die Kfz-Abgase eingebaut werden müssen. Besonders auffallen wird die neue Zuwegung: Zukünftig werden die Feuerwehrautos zur Bahnhofstraße (statt zur Maria-Theresia-Str.) ausrücken müssen. Auch müssen erheblich mehr Parkplätze für die Feuerwehreinsatzkräfte geschaffen werden. Dies erfordert die Anlage eines Weges sowie 14 zusätzliche Parkplätze und damit voraussichtlich eine Teerung bisheriger Grünflächen. Der Gemeinderat beauftragte einstimmig das Ingenieurbüro Wittke mit der Planung.

Bauantrag an der Eduard-Thöny-Str. genehmigt

Gegen die Stimmen der GAL hatte der Gemeinderat am 06.05.10 mit Bauvorbescheid die Erweiterung des Wohnhauses in der Eduard-Thöny-Str. 27/29 bewilligt (vgl. dazu uttilo-online v. 06.05.10, Archiv auf unserer Internetseite www.gal-utting.de). Nunmehr stand der konkrete Bauantrag zur Entscheidung. Die GAL-Fraktion stimmte nunmehr zu, da der Bauwerber auf Grund des Bauvorbescheides ein Anrecht auf die Zustimmung hat. Auch wenn wir die Entscheidung des Rates nach wie vor für falsch halten, respektieren wir eine getroffene Entscheidung

Betonskulpturen im Summerpark werden verkauft oder abgerissen

Die geplante Ebay-Versteigerung der Betonteile im Summerpark ist wegen der Erkrankung des Ebay-Verkäufers gescheitert. Der Gemeinderat beschloss daher einstimmig, die Werke im Landsberger Tagblatt und im Ammerseekurier zum Verkauf anzubieten. Sollte sich niemand melden, wird in der Sitzung vom 13.01.11 der Abriss beschlossen werden. Es steht zu erwarten, dass dann der Boden gefroren sein und die Grünfläche nicht in Mitleidenschaft gezogen werden wird.

Holzhauser beklagen starken Durchgangsverkehr – Radarmessungen geplant

In einem Brief an Bürgermeister und Gemeinderat beklagten Anwohner der Adolf-Münzer-Str. das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der Straße und vor allen die zu hohe Geschwindigkeit zahlreicher Fahrzeuge. Bürgermeister Lutzenberger teilte dazu mit, er plane mit den zuständigen Behörden die Einrichtung einer Radarmessstelle nahe der Ortseinfahrt.

GAL-Antrag zu Tempo 30 vertagt

Einmütig beschloss das Gremium, den Antrag der GAL zur Einrichtung einer Tempo-30-Zone für das komplette Ortsgebiet auf die nächste Sitzung zu verschieben. Grund: Die vorgerückte Stunde und eine Stellungnahme des Landratsamtes, die erst kurz vor der Sitzung eingegangen war.

Maibaumfreunde werden Standort beantragen

Bürgermeister Lutzenberger teilte mit, dass – anders als in der letzten Sitzung geplant – der Entscheid über den Standort des neuen Maibaums noch zurückgestellt werden musste. Grund: Die Maibaumfreunde haben ihren Vorschlag erst kürzlich beschlossen.

Nächste Termine

•    Jahresversammlung der GAL, am 23.11.2010 ab 19.30 Uhr im Sonnenhof in Holzhausen mit Neuwahlen (wir wünschen uns rege Beteiligung, bitte nehmt Euch diesen Abend Zeit)
•    Weihnachtsmarkt am Samstag, 27.11.10 von 17.00 Uhr bis 22.00 Uhr und am Sonntag, 28.11.10 von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr
•    Bürgerversammlung am 01.12.2011 ab 19.00 Uhr im Sonnenhof in Holzhausen,
•    Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 09.12.10, 19.30 Uhr Feuerwehrhaus
Themen u.A.:
Antrag der GAL zu Tempo-30 in Utting (Achtung GALlier: bitte Kommen!)
Standort des neuen Uttinger Maibaums

Peter Noll